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Standpunkt Nr.3 vom 23.April 2009

Tagesschule anstatt Shootergames

Nach einer wüsten Prügelei in der Schule verbringt Dani (11) den Nachmittag wieder mal vor der Glotze, den Abend versüsst er sich mit zwei Stunden World of Warcraft auf Papis PC. Seine Eltern sind derweil am Schichtarbeiten und haben keine Zeit, für Dani. Klar, dieses Bild ist überzeichnet. Wahr ist aber, dass erschreckend viele Kinder zuhause nicht oder nur schlecht betreut werden und dass ihre Bildungschancen deshalb gegen null tendieren.

von Adrian Würgler, SP Stadt Solothurn

Bessere Bildungschancen für die Kinder
Eine Familie kostet Geld und viele Eltern sind dabei auf zwei Einkommen angewiesen, weil sie den Lebensunterhalt der Familie sonst nicht bezahlen können - in Solothurn ist das nicht anders. Dabei kommt leider nicht selten die Betreuung und die Bildung der Kinder zu kurz. Tagesschulen können Eltern dabei Gewähr bieten, dass ihre Kinder dort gut betreut und auch schulisch unterstützt werden. Die freiwillige Tagesschule Solothurn hat hier seit ihrem Start vor etwas mehr als einem gezeigt, dass sehr viele Eltern dieses Angebot nutzen wollen.

Mehr Platz und schulische Betreuung
Der Run auf die neue Tagesschule hat diese immer wieder an räumliche und organisatorische Grenzen gebracht: Es fehlten genügend grosse Räume und Begleitpersonen, schulische Unterstützung wurde und wird leider nicht geboten. Diese Mängel gilt es zu beheben. Solothurns Tagesschule braucht unbedingt auch schulische Unterstützung der Kinder und mehr Platz: Grössere Räumlichkeiten und ein dritter Standort in der Vorstadt sind daher erste wichtige Schritte zur Qualitätssicherung.

Kostenlose Tagesschule mindert Armutsrisiko
Ein weiteres Problem sind die Elternbeiträge, denn gerade Eltern mit tiefen Einkommen und Alleinerziehende können sich einen Hort- oder Tagesschulplatz oft überhaupt nicht leisten. Sie bleiben im Teufelskreis der Armut gefangen, denn: Ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld kein Wohlstand. Deshalb ist es wichtig, dass Solothurns Tagesschulplätze kostenlos sind - nur so ist garantiert, dass auch alle den Zugang haben.

Zum Schluss: Apropos Dani und überzeichnet
Jugendliche in der Schweiz verbrachten 2003 laut dem Bundesamtes für Statistik durchschnittlich 2.5 Stunden pro Tag vor einem Bildschirm - 11% davon gar über vier Stunden jeden Tag! Laut einer Studie der Universität Stanford gibt es zudem einen klaren Zusammenhang zwischen der vor dem Fernseher verbachten Zeit und aggressivem Verhalten – und zwar unabhängig davon, was geschaut wird. Danis Geschichte ist also leider gar nicht so abwegig - ein garantierter Tagesschulplatz und eine gute schulische Betreuung könnten auch Dani eine positivere Zukunftsaussicht geben.

P.S. zum Landhausquai
Herzlichen Dank für die vielen positiven und aufmunternden Rückmeldungen zum letzten Standpunkt (mit Ausnahme des jungen Dealers, der mir, nach einem Geschäft direkt vor meiner Nase, beim Wegfahren mit dem Porsche den Drohfinger gezeigt hat). Ich bleibe dran. Fortsetzung folgt nächsten Dienstag im Gemeinderat.

 

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