Standpunkt Nr.4 vom 30.April 2009
Mehr Selbstbestimmung dank Spitex
Mein Grosi hatte ein schönes Alter und ich habe viele schöne Kindheitserinnerungen an die Begegnungen mit ihr und an die kurligen Geschichten, die sie mir erzählte, über die
„Radibummere“ zum Beispiel, eine Zigeunerin, die im Wald ob Günsberg gelebt hatte. Grosi hatte das Glück, dass sie bei meiner Tante alt werden und bis zu ihrem Tod zuhause bleiben durfte. Und so
lange es nur irgendwie ging, führte Grosi auch ihren eigenen Haushalt. Aber: Nicht alle älter werdenden Menschen haben dieses Privileg. Darum müssen wir mit gut ausgebauten und bezahlbaren
Spitexdiensten und Haushaltshilfen dafür sorgen, dass ältere Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben und ein selbstbestimmtes Leben führen können.
von Adrian Würgler, SP Stadt Solothurn
Mehr Selbstbestimmung im Alter
Unsere Gesellschaft wird älter; die ältere Bevölkerung wird also auch in der Stadt Solothurn zunehmen. Da ist es klar, dass unsere Stadt darauf reagieren muss. Im Zentrum der Überlegungen soll dabei
der Grundsatz eines selbstbestimmten Lebens stehen. Damit dies möglich ist, brauchen wir nebst gut ausgebauten Spitexdiensten und bezahlbaren Haushaltshilfen auch behindertengerechten Wohnraum und
möglichst nah gelegene Einkaufsmöglichkeiten und Treffpunkte für Jung und Alt. Zukünftige Bauprojekte (z.B. im Gebiet Obach-Mutten), sollen in Solothurn daher durchmischtes möglichst Wohnen
ermöglichen.
Ausbau notwendig
Was für die Alterspflege gut ist, nämlich ein möglichst selbstbestimmtes und würdevolles Leben im vertrauten Umfeld, ist auch für die Betreuung von Menschen mit geistigen, psychischen oder
Suchterkrankungen ideal - egal, wie alt sie sind: Denn gerade auch für schwer kranke, behinderte oder sterbende Kinder kann die Spitex ein Leben und auch Sterben im vertrauten Umfeld zu Hause bei den
Eltern ermöglichen. Darum muss die Spitex in Solothurn (mit öffentlicher Unterstützung) auch in diesen Bereichen auf- und ausgebaut werden.
Vorsicht bei der Finanzierung
Klar ist: Die Betreuung durch Spitex bringt einem Menschen nicht nur ein selbstbestimmtes und freies Leben, sie ist auch viel günstiger als ein Pflegeheimplatz. Bei zukünftigen Finanzierungsmodellen
wird daher grosse Vorsicht geboten sein. Diese sollten nämlich nicht allzu stark über die Krankenkassen finanziert werden, während dem die Pflegeheime gleichzeitig meist staatlich unterstützt werden.
In diesem Fall besteht die Gefahr, dass die Krankenkassen (um Kosten zu sparen) ältere Menschen wieder lieber im (öffentlich subventionierten) Altersheim als zu Hause sehen. Die Folgen wären: Weniger
Selbstbestimmung für die Betroffenen und höhere Kosten für die Allgemeinheit.
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