Standpunkt Nr.6 vom 14.Mai 2009
Zukunft oder Zeitbombe?
Seit Monaten das gleiche Bild: Jeweils Anfangs Monat entnehmen wir der Presse oder einer dürren Medienmitteilung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), die Arbeitslosigkeit im
Kanton Solothurn sei wieder ein wenig gestiegen. Diesen Monat von 3.4% auf 3.5%, bei den 20-24-jährigen sogar von 8.2% auf 8.3%! Insgesamt 2365 Menschen aus der Region Solothurn suchen momentan
eine Stelle. Das entspricht in etwa den Gemeinden Riedholz und Feldbrunnen zusammen. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ist aus meiner Sicht eine Zeitbombe: Denn wer in jungen Jahren nicht
möglichst rasch und langfristig den Anschluss in die Berufswelt schafft, läuft Gefahr, diesen Anschluss und damit auch sein Vertrauen in die Gesellschaft zu verlieren. Was tun?
von Adrian Würgler, SP Stadt Solothurn
In Bern läuten die Alarmglocken bereits
„Die gegenwärtige Lage auf dem Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Aussichten zeigen, dass es für Jugendliche im Sommer 2009 schwerer wird, nach dem Lehrabschluss eine Stelle zu finden. Ich gehe
davon aus, dass die Jugendarbeitslosigkeit ansteigen wird“ schreibt Bundesrätin Doris Leuthard in ihrem Brief an die Betriebe vom 28.April 2009. Die Alarmglocken in Bern habe also geläutet. Frau
Leuthard und ihr Chefökonom Aymo Brunetti haben die Zeichen der Zeit erkannt und mit dem ,Treffpunkt Arbeit‘ einige Massnahmen in die Wege geleitet. Frau Leuthard ruft die Betriebe und die Ämter und
Kommunen dabei dazu auf: „Helfen Sie unseren Jugendlichen: Schaffen Sie Ausbildung- und Praktikumsplätze.“
Zeit zum Handeln - könnte man meinen.
Und im Kanton Solothurn? Obwohl auch das Amt für Wirtschaft und Arbeit in seinem letzten Bulletin vom März 2009 mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnet, war dazu in letzter Zeit weder
vom AWA noch von der Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler viel zu hören (die aktuellste Mitteilung auf der Homepage der Volkswirtschaftsdirektorin ist ihr herzlicher Dank für ihre Wiederwahl!).
Auch sonst: Viel mehr zu hören oder zu lesen als aktuelle Zahlen und dass dies halt konjunkturbedingt so sei, gab und gibt es nicht: „Im Abschwung müssen vorhandene Kapazitäten und Strukturen
abgebaut werden. Der staatliche Einfluss, Schwankungen auszugleichen, ist in beiden Phasen beschränkt“ meint der Leiter des Amtes Jonas Motschi beispielsweise. Kurzarbeit (ein zeitweilen durchaus
taugliches Mittel) und Hilfe bei Massenentlassungen sind dabei die Rezepte des AWA. Das ist in meinen Augen eine viel zu passive Haltung.
Kein Rückgang bei den Lehrstellen
Einen Lichtblick gibt es aber. Im Moment sieht es danach aus, dass die Anzahl Lehrstellen in diesem Jahr nicht abnimmt und so die Anzahl der arbeitslosen Jugendliche unter 20 Jahren nicht zunehmen
wird. Das ist erfreulich und löblich, denn damit zeigen die Firmen und die Gemeinden, dass sie auch weiterhin auf ihren Nachwuchs setzen. Zudem ist das von zentraler Bedeutung für die nahe Zukunft -
denn eines ist sicher: Der Aufschwung kommt und da gilt es mit gut ausgebildeten Fachkräften darauf vorbereitet zu sein, um ihn dann auch nutzen zu können.
Und in unserer kleinen Stadt?
Ich habe mich nach all den passiven Aussagen aus dem Solothurner Volkswirtschaftsdepartement wirklich gefragt: Kann man in einer kleinen Region wie Solothurn die Jugendarbeitslosigkeit überhaupt
wirkungsvoll bekämpfen? Ich glaube JA! Aber schlussendlich liegt die Antwort darauf bei unseren städtischen und regionalen Betrieben und Kommunen, die im Sommer und Herbst mit der Frage konfrontiert
sein werden, ob sie ihre Lernenden noch behalten oder nicht. Ich werde daher einen Brief an den Personalchef unserer Einwohnergemeinde und an den Direktor der RegioEnergie Solothurn schreiben und
dazu aufrufen, die Weiterbeschäftigung der LehrabgängerInnen eingehend zu prüfen.
Schreiben doch auch Sie einen Brief an Ihre Verwaltung, vielleicht bewirken wir so etwas! Lieber ein Tropfen auf den heissen Stein als den Kopf in den Sand stecken und auf bessere Zeiten zu
warten.
P.S.
Bitte vergessen Sie nicht - am nächsten Sonntag, den 17.Mai 2009 sind auch in Ihrer Gemeinde Gemeinderatswahlen. Reden Sie jetzt mit, sonst tun es die anderen für Sie! Und: Ja, ich wähle SP!
Reaktionen an: mehrfarbe@gmx.ch
Hier meine Briefe:
